Februar 3, 2023

Kreuznacher Rundschau

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Ist die Ehe ein Dinosaurier? Die goldene Hochzeit schaffen immer weniger Paare!

Wolfgang Petry hat es geschafft: 2022 zelebrierte er mit seiner Frau den 50. Hochzeitstag. Doch damit gehört das Paar zu einer aussterbenden Ehe-Spezies. Der Bund für das Leben wird in Deutschland immer häufiger schon nach wenigen Jahren wieder beendet. Auch sonst hat sich beim Thema „Heirat“ einiges verändert.

Nach fast 15 Jahren ist Schluss: Kaum jemand kann noch Ehejubiläum feiern

Ehe? Immer mehr Paare lassen sich mit dem Bund für das Leben Zeit und lösen ihn deutlich schneller wieder. Einladungskarten für die Goldene Hochzeit verschicken immer weniger, denn mittlerweile erfolgt der Gang zum Scheidungsrichter nach durchschnittlich 14,8 Jahren. Die Gründe dafür sind vielseitig und liegen vor allem im gesellschaftlichen Wandel. 2021 lag die durchschnittliche Ehedauer sogar nur bei 14,5 Jahren. Immer mehr entscheiden sich sogar ganz bewusst für ein Singleleben. Mehr als 41 Prozent schwören der Partnerschaft ab und bevorzugen einen alleinigen Haushalt.

Frauen und Männer begegnen sich nahezu auf Augenhöhe, auch bei den Verdienstmöglichkeiten. Galt die Ehe noch vor Jahrzehnten als sicherer Hafen für Frauen, um auch monetär versorgt zu sein, ist sie heute eine oftmals wohlüberlegte Sache. Das zeigen auch die Zahlen des Statistischen Bundesamtes, denn auch das Alter für das Ja-Wort wird immer höher. In den siebziger Jahren heirateten Männer mit durchschnittlich 25 Jahren, Frauen mit ca. 23 Jahren. Mittlerweile liegt das Durchschnittsalter bei Männern bei ca. 34,4 Jahren und bei Frauen bei ca. 31,9 Jahren (Erhebungen aus 2018).

Zweite Heirat liegt im Trend

Nicht nur das Eintrittsalter hat sich geändert, sondern auch das Heiratsmuster. Wurden mehr als 84 Prozent aller Ehen in den 1960ern noch erstmals geschlossen, gab es 2001 eine dicke Überraschung: Nur etwa 61 Prozent aller Paare heirateten das erste Mal. Für fast 40 Prozent war es die zweite große Liebe, die mit dem Ja-Wort gekrönt werden sollte.

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Geben wir die Liebe zu schnell auf?

Woran liegt es, dass die meisten Paare keine goldene oder sogar eine Diamanten-Hochzeit feiern können? Zu den häufigen Trennungsgründen gehören oft Differenzen bei der Lebensgestaltung. Hängt der Himmel zunächst voller Geigen und ist das Eheleben anfangs rosarot, zeigen sich durch den Alltag oft erste Liebes-Risse.

Mangelnde Aufmerksamkeit, fehlende Zeit füreinander, unterschiedliche Lebensplanungen – Psychologen wissen, dass diese Gründe für das Ehe-Aus sein können. Beim genaueren Hinschauen wird jedoch oft deutlich, dass eigentlich die Kommunikation das Problem darstellt.

Soweit Paare aufhören, miteinander über ihre Probleme, Wünsche und Vorstellungen zu sprechen, beginnt der schleichende Abbau der Gefühle. Statt dem Partner zu sagen, was störend ist, fressen viele Ehepartner den Frust in sich hinein und wiegen sich in falscher Harmonie. Doch irgendwann kann selbst der harmonische Mensch seinen Frust nicht mehr kanalisieren und einfach weglächeln. Häufig kommt es gerade dann, in einem ungünstigen Moment, zur Emotions-Explosion. Die sich entladenen Gefühle und Vorwürfe haben oft gar nichts mit dieser Situation zu tun, sondern sind ein Feuerwerk angestaute Emotionen der letzten Wochen, Monate oder sogar Jahre.

Psychologen empfehlen deshalb, sich bewusst Zeit für Kommunikation zu nehmen. Ein ganz bewusstes Date pro Woche kann helfen, wieder ins Gespräch zu kommen. Hierbei sollte es nur eine Regel geben: Offenheit, ohne Vorwürfe.

Solange beide Ehepartner gewillt sind, Lösungen für vermeintliche Probleme zu finden, ist das Risiko für eine Scheidung äußerst gering. Auch Kompromissbereitschaft gehört zum Eheleben dazu, denn nicht immer läuft alles so, wie geplant: Jeder macht Fehler. Jeder äußert hin und wieder ein unbedachtes Wort. Ein Perspektivwechsel kann helfen, sich in die Situation und die Beweggründe des Partners hineinzuversetzen und ein besseres Verständnis für die Entscheidung zu erhalten.

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Tipp: Freiraum gewähren

Nach dem Ja-Wort scheint es viele Paare nur noch im sprichwörtlichen Doppelpack zu geben. Vorbei sind die Abende mit den besten Freunden oder Zeit allein. Psychologen warnen davor, nur noch ein Eheleben als siamesische Zwillinge zu führen. Wer 24/7 aneinander klebt, hat sich häufiger nichts (Aufregendes) mehr zu berichten, schließlich wird alles gemeinsam erlebt. Wer hin und wieder Abende allein mit seinen Freunden verbringt, erhält nicht nur andere Eindrücke, sondern hat auch wieder neuen Gesprächsstoff mit dem Partner.