Wie viele Gradierwerke braucht das Salinental? Alle. Zumindest vorerst

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Stilllegung bedeute Verfall

Bad Kreuznach (tg). Die Gradierwerke im Salinental sind den Bad Kreuznachern lieb und teuer. In der anstehenden Phase der grundlegenden Sanierung werden die Bürgerinnen und Bürger dies unter Beweis stellen müssen. Der Stadtrat beschloss in seiner Sitzung am letzten Donnerstag, mit der gut 2,2 Mio.
Euro teuren Sanierung des Gradierwerks 2 den Anfang zu machen. Bestandteil des Beschlusses ist auch der Satz: „Über die Gradierwerke 3 und 5 wird nicht entschieden.“ Denn ebenso wie Gradierwerk 2 sind diese beiden mit Betonwannen ausgestattet, die der Dauerbelastung durch die Sole nicht standhalten. Nun gibt es zwar aus dem Jahr 2010 den grundsätzlichen Ratsbeschluss, dass das Ensemble der Gradierwerke als Ganzes erhalten werden müsse, doch dieser Beschluss ist inzwischen ebenso löchrig wie die Außenhaut der Betonwannen.

Sei es Ratsmitglied Manfred Rapp (CDU), sei es der überwiegend mit Ratsmitgliedern besetzte Aufsichtsrat der zuständigen GuT (Gesundheit und Tourismus Bad Kreuznach GmbH): Die extrem hohen Folgekosten der Gradierwerke lassen sich schwerlich ignorieren und fließen in die Überlegungen ein. Künftig wird dies noch mal deutlicher zum Ausdruck kommen. Denn momentan herrscht Zeitdruck: Gradierwerk 2, dessen Korrosion am weitesten fortgeschritten ist, droht die Stilllegung und damit die vollständige Zerstörung. „Stilllegung bedeutet beschleunigten Verfall, Kosten durch Verkehrssicherung, massiven Imageschaden“, heißt es in der von Michael Vesper verfassten Stellungnahme in der Beschlussvorlage.

Bei jeglichen Eingriffen im Salinental hat auch der Denkmalschutz ein gewichtiges Wort mitzureden. Die Denkmalpflege vertrete nach zwei Ortsterminen sehr dezidiert die Auffassung, dass erst eine komplette Landschaftsplanung zeigen müsse, wie sich denn das Tal nach einem Eingriff verändert, bevor man darüber Gespräche aufnehmen kann, erklärte Vesper in einer Sitzung des Bauausschusses. Die Generaldirektion geht sogar soweit, von jeglicher diesbezüglichen Anfrage abzuraten.

Vor diesem Hintergrund ist zu verstehen, dass auch eine vorgeschlagene Verkürzung des Gradierwerks 2 – beispielsweise an den Seiten bis jeweils zu den Durchgängen – derzeit als nicht realisierbar gilt. Will man also die Stilllegung durch Verfall vermeiden und eine irgendwie geartete Sanierung aufnehmen, geht dies derzeit nur für die gesamte Saline 2. Der Stadtrat beschloss, das Gradierwerk 2 im bisherigen Umfang zu erhalten und das mit Betonwannen versehene Gradierwerk auf der Grundlage des von der GuT vorgelegten und im Planungsausschuss geänderten Konzepts durch den Einbau von Holzwannen zu sanieren.

Die Kostenschätzung liege bei 2,2 Millionen Euro, so Michael Vesper. Doch angesichts der Konjunkturlage sei für jedes Jahr Verzug mit einem Kostenaufschlag in Höhe von 10 Prozent zu rechnen, und die Schätzung sei nun auch schon wieder über ein Jahr alt – mit einer Bauzeit von sechs bis acht Monaten gerechnet. Vorbereitende Maßnahmen, die Entsorgung der Schlämme und erste Arbeiten an der Holzkonstruktion könnten 2018 erfolgen, bis Frühherbst 2019 könnten die Maßnahmen vollkommen abgeschlossen werden.