Mehr Sprachkurse für alle

Foto: privat

Integration: Ausländerpfarramt ist auf Spenden angewiesen

von Marian Ristow

Bad Kreuznach. Dass Integration vor allem über Sprache funktioniert, ist kein Geheimnis. Dass es nun mal aber leider immernoch zu wenige Sprachkurse für Flüchtlinge gibt, ebenso wenig. Und das ist wiederum, angesichts des Kanons der tagtäglich geführten Debatten um Flucht, Zuwanderung und Integration, eigentlich ein Unding. Was das Thema Sprachkurse in der Stadt Bad Kreuznach und dem dazugehörigen Umland betrifft, ist Siggi Pick vom Ausländerpfarramt der richtige Ansprechpartner. Das Team des Pfarramts stemmt wöchentlich 142 Stunden Deutschkursarbeit. Und diese Deutschkurse sollten möglichst allen Flüchtlingen offen stehen, unabhängig von deren Bleibeperspektive, findet Pick. Zurzeit fördert die Bundesregierung durch die Agentur für Arbeit Intensiv-Kurse. Aber nur für Menschen, deren Asylanträge eine gute Anerkennungschance eingeräumt werden. Das betrifft vor allem Syrer, Iraner, Iraker und Eritreer. Menschen, die aus Afghanistan, Somalia, dem Balkan oder Pakistan geflohen sind, bekommen nur selten die Chance einen solchen Kurs zu besuchen – meist nur dann, wenn Restplätze frei sind.

Pick: Zwei Klassen von Flüchtlingen

„Die Menschen, die zu uns kommen, haben meistens nur zwei Fragen. Die erste ist die nach einer Wohnung, die zweite, wo sie Deutsch lernen können“, erzählt Siggi Pick in einem Pressegespräch. Die Motivation Deutsch zu lernen sei generell sehr hoch. Egal woher sie kämen, erklärt Pick weiter. „Zurzeit werden die Flüchtlinge in zwei Klassen eingeteilt: Die einen sollen lernen, die anderen nicht.“ An dieser Stelle kommen die Deutschkurse des Ausländerpfarramtes ins Spiel. Er schätzt, dass zurzeit zwischen 500 und 800 Menschen im Landkreis auf einen Platz in einem Sprachkurs warten. Dabei sei die Situation im Landkreis Bad Kreuznach noch als komfortabel einzustufen, lässt Pick durchblicken. Aktuell bietet das Pfarramt in Zusammenarbeit mit anderen Institutionen rund 25 Deutschkurse an, in der Stadt und in der Region. „Wir gehen da hin wo die Menschen sind. Also nicht nur in die Stadt, sondern auch in Dörfer“, erläutert Pick. Das vielfältige Angebot an Sprachkursen wird von Sedat Bunjaku und Ieva Ambrasaite Ngahan koordiniert.

Kurse auch in der Peripherie

Die Kurse setzen unterschiedliche Schwerpunkte. In den Alphabetisierungskursen werden die elementarsten Inhalte vermittelt. Dort geht es zunächst um das Erlernen der Buchstaben. Für viele der Teilnehmer ist das der erste Kontakt mit einer Unterrichtsform oder schulischen Inhalten überhaupt. In einigen Herkunftsländern sind Schulen nämlich längst nicht allen Menschen zugänglich; eine makabre Parallele zu den Sprachkursen in Deutschland. Darüber hinaus gibt es Anfänger- und Fortgeschrittenenkurse, spezielle Kurse für Männer und Frauen und Kurse, die den Schwerpunkt auf bestimmte Verhaltensweisen legen, um den Menschen das Klarkommen im Alltag zu erleichtern. Nicht nur inhaltlich unterscheiden sich die Kurse, sie finden auch an unterschiedlichen Orten statt. Es gibt Kurse in Bad Kreuznach, den Stadtteilen, Kirn, Bad Sobernheim, Rüdesheim, Langenlonsheim, Stromberg und in Simmertal. „Die Menschen wollen lernen. Wir möchten dafür sorgen, dass ihnen die Gelegenheit dazu gegeben wird“, formuliert Pick und berichtet von einer afghanischen Familien deren Asylverfahren nun seit fast drei Jahren läuft, die aber auf Grund ihrer schlechten Bleibeperspektive kein Anrecht auf einen Intensiv-Kurs hat. Siggi Pick: „Wir verspielen in Sachen Integration wichtige Zeit.“

Erst Lernender, dann Lehrer

Wie gut diese Kursangebote funktionieren können, zeit das Beispiel von Murtaza Safie. Der afghanische Journalist besuchte einst einen Kurs des Ausländerpfarramtes und leitet nun selbst einen. Ganz so einfach Deutschlehrer zu werden, ist es aber nicht. Zwar sei das Engagement von Ehrenamtlichen unverzichtbar, vor allem bei den Konversationsübungen, ausgebildete Dozenten seien aber trotzdem nötig, macht Pick deutlich. Und diese müssen bezahlt werden. „Zwar haben wir Sponsoren, wie z.B. die Bürkle-Stiftung, aber wir sind trotzdem auf weitere Spenden angewiesen, um die Kurse bezahlen zu können“, erklärt Pick.

Im Lernzentrum den nächsten Schritt machen

Eine wichtige Rolle in der Verfeinerung und Verbesserung der Deutschkenntnisse, spielt das Lernzentrum im Wassersümpfchen, das von der Evangelischen Erwachsenenbildung an Nahe und Glan getragen wird. Ognjenka Kranz und Michael Schunck kümmern sich dort um Jugendliche und Erwachsene nahezu aller Altersgruppen. Wer einen Deutschkurs absolviert hat, kann in den Räumlichkeiten des Zentrums seine Kenntnisse trainieren und ausbauen. Dort gibt es Informationen über Sprach- und Integrationskursangebote, ebenso werden Vorbereitungskurse auf Deutschprüfungen der Klasse A1, A2 und B1 angeboten.

Ev. Verwaltungsamt

Kto.:75

BLZ: 560 510 80

IBAN: DE24 5605 0180 0000 0000 75

BIC: MALADE51KRE

Sparkasse Rhein-Nahe

Verwendungszweck: „Deutschkurse für Flüchtlinge“

Eine Spendenbescheinigung kann ausgestellt werden

 

Lernzentrum

Wassersümpfchen 23

55543 Bad Kreuznach

Tel. 0671 - 9200143

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