Vergangenes zum Leuchten bringen

: „Masál Tov Schtájim“ von René Blättermann zeigt einen Hochzeitsring. Ist die Anheiligung der Braut mit dem Hochzeitsring vollzogen, zertritt der Bräutigam ein Glas als Symbol der Erinnerung an die Zerstörung Jerusalems. Die Trauer um Jerusalem soll, selbst bei so freudigen Anlässen wie einer Hochzeit, nie vergessen werden (Fine Art Pigment Print auf Baumwolle). Foto: privat

René Blättermann. Foto: privat

Ausstellung „Schattenleuchten“ spielt mit jüdischen Motiven

Von Marian Ristow

Bad Kreuznach. 30 ausgewählte Grafiken des aus Bad Kreuznach stammenden Künstlers René Blättermann sind ab Montag, 29. Februar, im Sitzungssaal der Kreisverwaltung zu sehen. Unter dem Titel „Schattenleuchten“ zeigt der nahe Lübeck lebende und schaffende Sohn eines jüdischen Vaters und einer katholischen Mutter seinen Bildzyklus „Hebräer“, den er mit „Bildreise zu unseren biblischen und kulturellen Wurzeln“ untertitelt hat.

Wolfgang Piechota, Vorsitzender der Gesellschaft für christlich-jüdischen Zusammenarbeit Bad Kreuznach (GCJZ), und Markus Becker, Leiter der Katholischen Erwachsenenbildung Rhein-Hunsrück-Nahe (KEB), vertreten die beiden Institutionen, die die Ausstellung nach Bad Kreuznach geholt haben. Piechota steht der GCJZ vor, die einst von den verdienstvollen Bad Kreuznacher Bürgern André Beitner und Kurt Vittinghoff ins Leben gerufen wurde um den Dialog zwischen beiden Glaubensrichtungen zu intensivieren. „Schattenleuchten“ eignet sich dazu bestens. „Blättermann greift jüdische Symbole auf, sozusagen die Schatten der Vergangenheit, und bringt diese durch intensive und kräftige Farben zum Leuchten“, skizziert Piechota das Konzept, das hinter der Ausstellung steckt. Und verweist auf Blättermann Intention: „Er will damit zeigen, dass die Vergangenheit vor allem Hinblick auf Gegenwart und Zukunft für uns Bedeutung hat und was wir aus ihr lernen können.“

Die Bilder sind allesamt Drucke auf Baumwolle oder Canvas, kaschiert auf Museumskarton mit Passepartout und Rückwandkarton in Museumsqualität. Teilweise sind die Graphiken vergoldet. „Blättermann hat eigens für die Ausstellung in Bad Kreuznach auch einige Motive aus der Stadt verarbeitet“, verrät Piechota. Ein Bild trägt z.B. den Namen „Celemochum“ (jiddische Bezeichnung für Bad Kreuznach, wörtlich „Bildnis-Ort“, da der Begriff „Kreuz“ von frommen Juden gemieden wurde).

Der interreligiöse und –kulturelle Dialog besitzt auch für Markus Becker von der KEB Relevanz. „Die Ausstellung lädt zum Auseinandersetzen mit der eigenen Religion und dem Judentum ein. Das baut Vorurteile ab“, ist sich Becker sicher.

 

Eröffnung

Die Vernissage findet am Montag, 29. Februar, um 19.00 Uhr in im großen Sitzungssaal der Kreisverwaltung statt. Lotte Grohe wird zu der Musik von Martin Druckrey (Musik, Perkussion) einen Ausdruckstanz darbieten. Während der Ausstellung läuft die Audioinstallation „Wortbrücken“ der Dichterin und Lehmkünstlerin Dora Kayer. Dazu wird die Videoprojektion „Nefesch“, ebenfalls von René Blättermann, gezeigt.

Öffnungszeiten

Mo., Di., Do., von 7.00 bis 17.00 Uhr, Do. bis 19.00 Uhr, Mi. und Fr. von 7.00 bis 13.00 Uhr, Sonntag von 11.00 bis 13.00 Uhr, zusätzlich nach Vereinbarung. Der Eintritt ist frei, Spenden sind willkommen.

Der Künstler

René Blättermann wurde als Sohn ein jüdischen Vaters und einer katholischen Mutter in Berlin geboren, wuchs aber in Bad Kreuznach auf. Er erlernte den Beruf des Dekorateurs. Das notwendige Wissen und die erforderlichen Fertigkeiten im graphischen Bereich erwarb der Künstler im autodidaktischen Studium. 1992 machte er sich mit seinen Arbeiten selbständig. Mit den Graphiken des Zyklus „Hebräer“ bietet René Blättermann die Möglichkeit einer Begegnung mit der jüdischen Geschichte und Kultur. Weitere Informationen online auf www.graphikpage.de