Wertvolles Gerät für Kinderkrebsforschung

Das bereits in den Brutkasten des Labors eingebaute Gerät war nicht zu sehen, weil es sich bereits in der Erprobungsphase befand. Die Dankbarkeit der Mediziner, deren Forschungsmöglichkeiten dadurch beflügelt werden, bestätigten Karsten Kallinowsky, eine höchst sinnvolle Anschaffung ermöglicht zu haben: (von links) Prof. Dr. Fred Zepp, Oberärztin Dr. med. Alexandra Russo, Laborleiterin Dr. Claudia Paret, Prof. Dr. J. Faber und Karsten Kallinowsky. Foto: KruppPresse

BAD KREUZNACH/MAINZ. Die Sophia-Kallinowsky-Stiftung aus Bad Kreuznach hat jetzt ein wertvolles Gerät für die Forschung des Kinderkrebszentrums an der Universitätsklink Mainz angeschafft. Dabei handelt es sich um eine „Xcelligence-Technologie-Plattform“, mit deren Hilfe im Brutkasten des Kliniklabors bis zu 6 mal 96 Zellproben von Krebstumoren gleichzeitig überwacht werden können, ob und wie sie auf zur Therapie infrage kommende Wirkstoffe und Medikamente reagieren.

Sechsstelliger Spendenbetrag

Den für den Kauf benötigten, sechsstelligen Euro-Betrag hat Stiftungsvorstand Karsten Kallinowsky (43) durch Spenden, Events sowie den Verkauf von stiftungseigenen Produkten in knapp einem Jahr seit Bestehen der Stiftung zusammentragen können. Die von ihm ins Leben gerufene Stiftung soll an seine kleine Tochter Sophia erinnern, die am 19. Mai 2016 im Alter von drei Jahren an den Folgen eines „Pongslioms“ (Tumor an Brücke des Hirnstamms) gestorben ist. Ein erklärtes Ziel der Stiftung ist es, die Wissenschaft und Forschung im Bereich von Krebserkrankungen bei Kindern sowie bei anderen dramatischen Kinderkrankheiten zu fördern.

Karsten Kallinowsky vor Ort

Zur Inbetriebnahme des neuen Herzstücks für den Klinik-Brutkasten fuhr Karsten Kallinowsky nach Mainz, um mit den Ärzten des Kinderkrebszentrums über den Nutzen des Gerätes zu sprechen. Ihm sei es wichtig, mit der Spende einen Bereich der Grundlagenforschung zu unterstützen, der von der Industrie aus Gründen einer zu geringen Rendite vernachlässigt werde, erklärte der Stiftungsvorsitzende. Hier seien die Mittel der Spender gut eingesetzt.

96 Analyseplätze

Das gespendete Gerät verfügt über sechs Platten, auf denen je 96 elektronische Analyseplätze für Zellkulturen installiert sind. Diese erlauben eine dynamische, markerfreie Zell-Analytik in Echtzeit - mit hoher Datenqualität, weitem Anwendungsbereich, vollständig automatischer Daten-Aufzeichnung, unterstützt durch eine intuitive Analysesoftware. Die integrierte Anwenderverwaltung kann bis zu sechs individuelle Experimente parallel erfassen.

Neue Therapieoptionen

„Ihre Spende bringt uns in der Forschung, neue Therapieoptionen für an Krebs erkrankte Kinder zu finden, einen großen Schritt weiter. Der Brutschrank selbst kann nur wenig, aber sein neues Herzstück kann sehr viel leisten. Dies eröffnet uns neue Wege bei der Entwicklung neuer zielgerichteter Therapien, insbesondere für solche Kinder, bei denen die Standardtherapie heute noch keinen Weg zur Heilung aufzeigt. Das ist für uns ein Quantensprung unserer Forschungsmöglichkeiten,“ dankte Prof. Dr. Jörg Faber der Sophia-Kallinowsky-Stiftung. Faber leitet die Sektion Pädiatrische Hämatologie/Onkologie/Hämosta-seologie und ist wissenschaftlicher Leiter des Forschungsschwerpunktes Pädiatrische Hämatologie/Onkologie/Hämostaseologie. Er kündigte an, dass das Gerät sofort eingesetzt werde.

„Wir werden dann Tumorgewebe aus Operationen unserer kleinen Patienten im Brutschrank in Zellkultur nehmen. Der Nutzen für Kinder, die in der Therapie sind, ist unmittelbar. Ziel ist es, durch Einsatz des Gerätes noch genauer Medikamente zu identifizieren, die wirksam sind, wenn die Standardtherapie nicht greift. Wir suchen dann nach der Achillesferse der jeweiligen Krebszellen. Es war uns wichtig, etwas zu bekommen, das der Forschung und dem Erkenntnisgewinn dient, aber auch unmittelbar den Kindern, die wir heute und morgen behandeln, zugutekommt, erklärte Prof. Dr. Faber.

150 Medikamente gleichzeitig im Test

„Wir verfügen jetzt über viel mehr Möglichkeiten, die Wirkung von Medikamenten auf die Zellkulturen zu testen“, freute sich Laborleiterin Dr. Claudia Paret. „Wir können jetzt damit etwa 150 Medikamente gleichzeitig testen. Zuvor erstellen wir eine Genom-Analyse, die Hinweise darauf gibt, welche von rund 150 Substanzen wirksam sein könnten. Jetzt können wir diese in der Praxis auf der Zellkultur in der Breite testen. Dies führt in wenigen Wochen zu einem recht guten Ergebnis – ganz individuell für den Tumor dieses Patienten“, ergänzte Prof. Dr. Faber.

Die Genomdaten werden in eine Datenbank eingestellt: „Das von uns erarbeitete Wissen wird durch uns innerhalb der Fachgesellschaft zur Verfügung gestellt. Das ist ein wirklicher Paradigmenwechsel in der Onkologie. Während die Therapie früher wie eine Gießkanne funktioniert hat, wird nun auf eine individuelle und hochspezifische Therapie gesetzt“, gab Oberärztin Dr. Alexandra Russo zu bedenken. Sie verwies auf einen weiteren Vorteil des neuen Gerätes: „Mit seiner Hilfe ist es möglich, über einen ganz langen Zeitraum den Verlauf oder die Entwicklung der Tumorzellen und deren Reaktion auf die Medikamente in Echtzeit zu beobachten. Dadurch lassen sich auch Kombinationen von Medikamenten testen.“

Spendenkonto

Wer die Arbeit der Stiftung im Kampf gegen Kinderkrebs und bei der Unterstützung von kleinen Patienten und deren Eltern unterstützen möchte, kann eine Spende auf das Stiftungskonto bei der Commerzbank AG überweisen: IBAN: DE42 5504 0022 0204 3222 00, BIC: COBADEFFXXX.

Mehr dazu im Internet unter ophia.foundation

 

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Hintergrund

Wenn die Standardtherapie nicht hilft…

Jedes Jahr erkranken mehr als 100 Kinder in der Rhein-Nahe-Region an Krebs. Dank multimodaler Therapiekonzepte und dank optimaler medizinischer Hilfe und Betreuung gewinnen heute mehr als drei von vier Kindern den Kampf gegen die Krankheit. Aber noch immer gibt es Kinder, die mit den aktuellen Therapieprotokollen nicht geheilt werden können. Um auch diesen Kindern eine Therapieoption über das standardisierte Maß hinaus zu bieten, forschen Ärzte und Wissenschaftler am Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin der Universitätsmedizin Mainz gemeinsam mit nationalen und internationalen Kollegen an der Entwicklung und Anwendung maßgeschneiderter Therapiekonzepte. Das Kinderkrebszentrum ist Mitglied im Universitären Centrum für Tumorerkrankungen (UCT) der Universitätsmedizin Mainz, einem von 13 bundesdeutschen onkologischen Spitzenzentren.

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