Urige Fastnacht beim Gruber Carneval Club

Tolle Stimmung schon bei der Eröffnung der Gruber Familiensitzung. Foto: E. Daudistel

Familiensitzung im Schatten der Basilika / Pfarrer Choquet letztmals in der Bütt

Bingen (dd). Es war eigentlich wie immer bei der Familiensitzung des Gruber-Narren-Clubs (GNC). Echte urige Fastnacht wurde geboten. Proppenvoll das Kulturzentrum. Ein gut gelauntes Publikum, das die Narhalla, im Schatten der Basilika, zum Beben brachte. Und ein Sitzungspräsident Männi Heil, der in seiner unnachahmlichen Art durch das sechsstündige Programm führte und später selbst noch in die Bütt stieg. Für Mucker und Philister war an diesem Abend kein Platz. Bereits im traditionellen Vorspiel zeigten Benedikt Nowacki, Christian von Stramberg und Ingo Müller wie man die Narren zu Beifallsstürmen hinreißen kann: „Currywurst und Schoppen sind in Bingen zu teuer. Und die Weinberg muss wieder her“. Da tobte der Saal zum ersten, aber nicht zum letzen Mal. Marcus Mohrs, als Lady Elfriede Weber, mit einer Krone aus Korken – nicht aus Kronkorken – kalauerte, wenn auch teils unterhalb der Gürtellinie, als bekennender Binger, was das Zeug hergab.

Ganz schon auf Trapp wurde Robby Engelmann als Schöpfer der Welt und Bingen gehalten. Mit viel Kokolores ließ er die „Schöpfungswoche“ Revue passieren. Hatte einen Vorschlag um die Kirchen zu füllen. Dort solle Wein ausgeschenkt werden. Wurde aber auch noch politisch, als er forderte, dass die AfD nicht mehr ins Kongresszentrum soll. Die erste Rakete war fällig. Eb Röthgen hatte fast ganz Europa durch, bis er seinen Schweigersohn, Jonathan Spanier, fand. Die Ansprüche waren auch recht hoch, für den Kerl der seine Tochter will: Er muss singen, Flaschen öffnen  und Wein trinken können. Standing Ovation waren der Lohn.

Das Urgestein der Binger Fastnacht, auch wenn sie zugezogen sind, Brigitte und Joachim Giesbert, die gefühlt schon ein ganzes Leben lang in Bingen wohnen, erzählten davon, wie es war, als sie vor 50 Jahren nach Bingen kamen. Es war ein Liebesbekenntnis an ihre neue Heimat. Egal in welche Rolle er auch schlüpft, er tritt immer den Nagel auf dem Kopf. Die Rede ist von Sitzungspräsident Männi Heil als Fastnachscaterer. Gekonnt die Parodien bekannter Meenzer Fastnachter: Andreas Schmitt und Margit Sponsheimer. Das Publikum dankte es ihm mit einem dreifach donnernden Helau. Hape Kerkeling gleich pilgerte Udo Maßing nach Santiago de Compostela. In seinem Vortrag nahm der die Narren mit auf den achthundert Kilometer langen Pilgerweg mit. Ein Reisebericht gereimt. Dreiundzwanzig Jahr war er Pfarrer in Bingen. Jetzt geht er in Rente und wandert aus. Pfarrer Gerhard Choquet betrat zum letzen Mal die Bütt. Denn es zieht in nach Innsbruck. Bekannte aber: „Tirol ist schee, aber Rheinhessen ist scheener!“

Was wäre eine Fastnachtssitzung ohne Tanz. Angefangen von den kleinsten Akteuren, die Zukunft des GNC und Stars von Morgen über die Gardemädels mit einem Tanz der Extraklasse bis zum Männerballett, die als Piraten die Bühne enterten. Mit Saloonatmosphäre aus dem Wilden West verzauberten die Rising Phoenix die Narrenschar. Zum letzten Mal zu sehen als Tanzformation waren die Golden Girls. Toll die Kostüme der Firestorms im Südseeflair.

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