Erinnerung an Heinz Hesdörffer – Ein Bad Kreuznacher Holocaust-Überlebender


Wir brauchen nicht nur „Zahlen und Fakten der Historiker,  sondern auch die Schilderung einzelner Schicksale“

 

Bad Kreuznach. Der Vortragssaal der Loge der Stadt Bad Kreuznach war gut besucht. Über 90 vorwiegend Jugendliche des Gymnasiums An der Stadtmauer nahmen an der Veranstaltung der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Bad Kreuznach zur Erinnerung an den Holocaust-Überlebenden Heinz Hesdörffer teil, der an diesem Tag seinen Geburtstag gefeiert hätte. Er verstarb im vergangenen Jahr in Frankfurt im Alter von 96 Jahren und wurde auf dem hiesigen jüdischen Friedhof beerdigt.

Gezeigt wurde eine Film-Dokumentation, die im Jahr 2012 von der Heinz Hesdörffer-Stiftung und der Ev. Jugend An Nahe und Glan sowie dem Zeitzeugen erstellt wurde. Jugendliche im Alter von 15 bis 21 Jahren begleiteten damals Heinz, wie sie ihn freundschaftlich nannten, auf einer Reise zu den Stationen seiner Deportation von Bad Kreuznach nach Frankfurt, Amsterdam, Westerbork über Theresienstadt bis an die Orte seiner Befreiung.

Zu Beginn interviewten Anika Weinsheimer und Günter Kistner vom Ev. Jugendreferat einige Jugendliche, die bei der Erstellung der Dokumentation vor einigen Jahren dabei waren. Ekkehard Lagoda moderierte nach dem Film die anschließende Diskussion mit zahlreichen Wortmeldungen.

Angesichts eines Ansteigens von Antisemitismus in vielen Facetten unserer Gesellschaft ist Aufklärung und Präventionsarbeit nötiger denn je. Die Dokumentation über das Einzelschicksal von Heinz Hesdörffer birgt neben vielen Informationen über sein persönliches Schicksal allerdings auch eine Chance einer wirksamen Auseinandersetzung mit dem Thema, die über die Kenntnis von Zahlen und Fakten hinausgeht. Das bestätigten die teilnehmenden Jugendlichen, die sich auch in Schule, Jugendarbeit und Konfirmandenunterricht auch schon vorher mit dem Nationalsozialismus auseinandersetzt haben. Die Initiatoren um Andreas Duhrmann und der Heinz-Hesdörffer-Stiftung hatten ein gutes Gespür, wie wichtig ihre Arbeit gerade heute ist, da die Zahl der Holocaust-Überlebenden, die noch berichten können, immer geringer wird. Dass wir uns für die Geschicke der Opfer interessieren und wenigstens ansatzweise für die Gegenwart lernen, ist ein kaum zu unterschätzenden Wert - auch und gerade für die Entwicklung einer Erinnerungskultur, die dem „Nie Wieder“ gerecht sein kann.

02.02.2020 - cw

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