Keine Lust auf Frauke Petry

Organisieren die Anti-AfD-Kundgebung: (von links) Manfred Thesing, Juliane Rohrbacher und Jürgen Locher. Foto: M. Ristow

Bündnis ruft zu Kundgebung gegen die AfD auf

Von Marian Ristow

Bad Kreuznach. „Der 30. Januar war ein Wendepunkt. Seitdem wird nicht mehr diskutiert, sondern entgegengetreten“, sagt Jürgen Locher, Stadtratsmitglied und stellvertretender Vorsitzender des DGB-Kreisverbands Bad Kreuznach. Für Locher hat sich der Umgang mit der Partei Alternative für Deutschland (AfD) verändert. Grund dafür ist das umstrittene Zeitungsinterview mit deren Vorsitzender Frauke Petry, in dem sie unter anderem eine Abschaffung des Asylrechtsartikels im Grundgesetz forderte. Jürgen Locher: „Damit wurde eine Grenze überschritten. Wir als Bürger haben ein Recht auf Widerstand gegen die, die unser Land in seinen Grundfesten erschütten wollen.“ Am Freitag, 4. März kommt Frauke Petry nach Bad Kreuznach und wird im Haus des Gastes vor Parteimitgliedern und Anhängern sprechen. Das soll aber nicht ohne zivilen Widerstand geschehen: Ein Verbund aus verschiedensten Institutionen, mit dabei sind der DGB, das Bündnis gegen Rechts, das Jugendforum, das Netzwerk am Turm und die Alternative Jugendkultur (AJK), ruft zu einer Kundgebung am morgigen Freitag um 17.30 Uhr in der Kurhausstraße auf. 

Jürgen Locher ist Teil des Teams, das die Kundgebung initiiert hat. Ebenfalls mit an Bord: Juliane Rohrbacher vom Jugendforum und der Alternativen Jugendkultur und Manfred Thesing vom Netzwerk am Turm und dem Bündnis gegen Rechts. Die drei gewähren Einsicht in ihre Motivationslage. Es ginge nicht darum, sich gegen die Wähler der AfD zu wenden, sondern gegen deren Funktionäre wie Petry oder Björn Höcke. „Ich diskutiere gerne mit jedem AfD-Wähler, aber ganz sicher nicht mit Frauke Petry“, stellt Locher klar. Es ginge um den Kampf um die Köpfe der Leute. „Wir wollen inhaltlich überzeugen und keine genehmigte Veranstaltung blockieren“, so Locher weiter.  

Manfred Thesing kritisiert die Parteienlandschaft: „Die AfD spielt ihr Spielchen und die anderen Parteien lassen sich vor den Karren spannen.“ Im Zentrum seiner Kritik: Ein Wahlplakat von CDU-Spitzenkandidatin Julia Klöckner. „Dort sieht man Fr. Klöckner an einem Schreibtisch sitzen und überlegen. Darunter steht: ‚Wissen, wer zu uns kommt, entscheiden, wer bleiben darf, zurückschicken, wer gehen darf.’ Da orientiert man sich eindeutig an diesem AfD-Thema und lässt sich vorweg treiben, um ja noch ein paar AfD-Wähler abzugreifen.“ Für Thesing ein absolutes No-Go. Für ihn ist es außerdem unverständlich, dass Petrys Gedanken in puncto Grundgesetzabänderung nicht für mehr Empörung gesorgt haben. Für Thesing ein Zeichen, dass Rassismus und Fremdenfeindlichkeit schon längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen seien. 

Dass die AfD erst gar nicht Halt in Bad Kreuznach macht, wäre Juliane Rohrbacher am liebsten gewesen. Sie hat mit einigen Mitstreitern eine Petition ins Leben gerufen, um die Oberbürgermeisterin Dr. Heike Kaster-Meurer zu überzeugen, die Zusage der Stadt, Frauke Petry im Haus des Gastes sprechen zu lassen, zurückzuziehen. Vergangenen Donnerstag übergab Rohrbacher der OB die Unterschriftenliste im Vorfeld der Stadtratssitzung. Ohne Erfolg.