Füreinander da sein - Zu Besuch bei den Gruppentreffen der Frauenselbsthilfe nach Krebs

Ully Polit und Silke Heise leiten die Selbsthilfegruppe.

Bad Kreuznach. Bis zu dem Zeitpunkt, an dem ich das fröhliche Geschnatter hörte, war ich mir nicht sicher, ob ich die richtige Adresse hatte – das Schulungsgebäude des St. Marienwörth, Mühlenstraße 83. Doch das Stimmengewirr lotste mich zur Gruppe. Im Schulungsraum finden die monatlichen Treffen der Frauenselbsthilfe nach Krebs statt und ich war vergangene Woche dabei.

Die Gruppenleiterinnen Ully Polit und Silke Heise haben mich eigeladen, am Gruppentreffen teilzunehmen, zum einen, weil sie einen Scheck bekommen haben und mit einem Foto in der Rundschau hoffen, Nachahmer zu finden. Zum anderen möchten sie ganz grundsätzlich auf die Gruppentreffen aufmerksam machen und Frauen, die in ihrer Situation sind – nach einer Krebserkrankung oder auch bei einer Krebserkrankung – animieren, zur Gruppe dazuzustoßen.

 

Die drei Uschis

Ich suche mir eine Dame zum Plausch aus und sitze auch gleich richtig. Als ich sie nach dem Namen frage, sagt sie: „Ich bin eine von drei Uschis hier“ und ich kriege mich kaum mehr ein vor Lachen. Lachen entspannt, es ist gut, dass ich zum Anfang meiner Interviews an Uschi Nummer 1, nämlich Ursula Valerius geraten bin. Denn natürlich war ich aufgeregt und wusste nicht, was mich erwartet. Krebs ist ein Thema, mit dem man anders umgeht als mit anderen.

Für Ursula Valerius ist der Krebs seit 1996 ihr eigenes Thema. In diesem Jahr ist sie an Brustkrebs erkrankt, seit 1997 geht sie zu den Treffen der Selbsthilfegruppe. Was sie besonders an den Gruppentreffen schätzt? „Ich finde hier volle Zuneigung und Verständnis. Und deshalb werbe ich auch alle vier Wochen in der Nahetalklinik für unsere Selbsthilfegruppe.“

Die beiden anderen Uschis, Ursula Weber und Ursula Kollhoff, sollen – so ist es mein Plan und er geht auf – die Informationen zur Selbsthilfegruppe ergänzen. „Die Gemeinschaft unter Gleichgesinnten ist schön, liebevoll. Das erfährt man „draußen“ so nicht. Da heißt es dann immer „Kopf hoch“ oder „Das wird schon wieder“ aber das ist nicht, was man hören will. Ich verschweige meine Krankheit dann lieber und wenn andere über Krankheiten reden, dann sage ich immer „Gott sei Dank bin ich gesund.“

Wir lachen wieder. „Ja, hier ist es auch lustig.“

Die Gruppentreffen finden meist zu einem Thema statt. Oft ist es ein Expertenbeitrag, es kann aber auch ein Ausflug oder ein Fest sein, das von den kreativen Frauen liebevoll gestaltet wird.

Das Thema letzte Woche wäre Achtsamkeit und Eigenfürsorge gewesen, die Referentin musste aber kurzfristig absagen und so wurde das Thema nur kurz angerissen und die Gruppenstunde zur Plauschstunde.

Auch damit sind die Frauen und ihre Gruppenleiterinnen zufrieden. Der Bedarf zum Reden ist immer da.

 

Die Gruppenleiterinnen

Ully Polit ist seit 3 Jahren bei der Gruppe, Silke Heise seit 5 Jahren.

„Nicht alle bleiben so lange in der Gruppe, für manche ist das ein Angebot für eine gewisse Zeit und dann verabschieden sie sich wieder, werden flügge. Und das ist auch okay. Wir haben eine Frau in der Abendgruppe, die ist 30 Jahre alt und geht wieder arbeiten. Die kann nicht mehr so oft“, erklärt Ully Polit und Silke Heise ergänzt: „Das Angebot ist kostenlos und richtet sich an Betroffene mit unterschiedlichen Krebsarten.“

Die beiden leiten nicht nur die Gruppentreffen und bereiten sie vor. Sie vertreten die Gruppe nach außen, beispielsweise an Gesundheitstagen, und sie müssen auch fürs Foto ganz vorne stehen, wenn es eine Spende gibt. Haben sie dann auch gemacht, als in der letzten Woche Stephan Frohndörfer, Vorsitzender der BK Thunderbirds, einen Teil des Tombola-Erlöses des American Day in diesem Jahr den Frauen gewidmet hat. 300 Euro hat auch der Bad Kreuznacher Unternehmer Serkan Atalay gespendet und das soll hier nicht unerwähnt bleiben.

 

Ully Polit erreichen Sie unter Tel. 0163-2814507 und E-Mail               upolit@gmx.de.

Silke Heise erreichen Sie unter Tel. 0671-97089416 oder E-Mail heise-kh@web.de.

 

Die Gruppentreffen finden jeden zweiten Dienstag im Monat von 15 bis 17 Uhr im Schulungsgebäude St. Marienwörth, Mühlenstraße 83, im ersten Stock statt. (Das ist das Gebäude direkt neben der DRK Leitstelle.)

Das nächste Treffen am Dienstag, 10. März, hat als Thema „Entspannung ist wichtig für die Seele“.